Monatsarchiv: April 2016

„Ultreia et Sueisa“ (lat. Auf gehts-immer weiter) ist ein uralter Pilgergruß und dient zur gegenseitigen Aufmunterung. Für uns 3 sind es ebenfalls passende Worte, denn auch wir gehen weiter, immer weiter…

Wir schliefen aus! Wenn man das so nennen kann. Um 8:15Uhr klingelte der Wecker und wir begannen den Tag gaaanz gemütlich. Nach einem ausgedehnten Frühstück mit frischen Erdbeeren und Joghurt beschlossen wir nachzufragen, ob eine Reservierung für das kommende Wochenende möglich ist, denn ab dem 07.05. sind wir nocheinmal in Santiago. Die beiden Volunteers teilten uns mit, dass der „Chef“ erst gegen 10:00Uhr kommt. Während wir warteten verabschiedete sich Nadine, die heute nach Hause fliegt. Wir versprachen Kontakt zu halten und kaum war sie weg tauchte auch der Hospitalero auf und wir konnten uns ein 4-Bett-Zimmer reservieren. Entspannt und erfreut über das gute Wetter trotteten wir erstmal zurück zur Kathedrale, denn gut organisiert wie wir nunmal waren, hatten wir natürlich keine Ahnung wo der Weg langing. Mithilfe eines Forenbeitrags und viel Fantasie fanden wir dann doch die entsprechenden Pfeile und ließen Santiago hinter uns. Der „Camino de Fisterre“ beginnt an der Kathedrale, führt aus der Stadt hinaus und verläuft schließlich über Waldwege und nur sehr selten an Straße  entlang. Es war warm und sonnig und wir hatten das Gefühl einen Sonntagsspaziergang zu machen. Wir liefen mit einer gewissen Leichtigkeit und irgendwie schien es ein ganz anderer Weg zu sein, ohne „Verpflichtungen“. Das ist eventuell ein bisschen schwer zu erklären, aber auf dem Jakobsweg nach Santiago, dem Camino Francés hatte man immer das Gefühl man muss weiter und man will unbedingt ankommen. Das Laufen war trotzdem toll und hat Spaß gemacht aber irgendwie hatte man immer das Ziel im Kopf und auf den letzten 100km wollte man dann auch endlich ankommen. Der Ehrgeiz hatte von Körper und Geist Besitz ergriffen. Hier ist das irgendwie anders. Man läuft zwar genauso mit Rucksack, hohlt sich brav seinen Stempel und trifft einige andere Pilger, aber aus einem Grund, den ich noch nicht so ganz verstehe, fühle ich mich selstsam befreit (?). Das große, anfangs weit entfernte Ziel liegt hinter einem und man läuft “ halt eben nochmal schnell 90km“. Santiago ist erreicht, die Compostella im Rucksack und jetzt sind wir bereit nach Fisterre zu schweben…klingt sehr poetisch und philosphisch fühlt sich aber genauso an. Ich schwebe…keine Schmerzen mehr und eine schiere Freude am Laufen, zumal wir nur kleine Etappen von etwa 20-25km haben. An dieser Stelle ist nocheinmal zu betonen, dass der Camino vorher keinesfall eine Art Pflicht für mich war! Ich habe mich selbst dazu enzschieden diesen Weg zu gehen und ich bin glücklich darüber. Glücklich,  dass ich losgelaufen bin, glücklich, dass ich angekommen bin und glücklich, dass ich zwei so tolle Begleiterinnen dabei hatte. Anne und Marie haben mir mehr als einmal in den A**** getreten, wenn ich ein bisschen quengelig oder unmotiviert war und darüber bin ich sehr froh!

Ziel heute war Negreira, wo wir gegen 16:15Uhr eintrafen. Wir waren spät losgelaufen, hatte eine lange Mittagspause gemacht und uns beim wandern/pilgern viel Zeit gelassen. Die Herbergswirtin empfing uns mit den Worten „kittchen, Wifi, Beds“ und zählte so mit die wichtigsten Dinge auf. Ein riesiger Schlafsaal könnte eine unruhige Nacht bedeuten und so legten wir in weiser Vorraussicht die Ohrenstöpsel zurecht.

Im Supermarkt um die Ecke deckten wir uns mit Lebensmitteln ein und kochten Gemüse mit Ei und Käse. Dazu gab es Tomatensalat und zum Nachtisch Mouse au Chocolat. Mit vollen Bäuchen kugelten wir ins Bett und saßen dort noch eine Weile schwatzend zusammen, bevor wir uns schlafen legten.

Die Albergue müssen wir zu keiner bestimmten Zeit verlassen, sodass wir wieder erst um 8:00Uhr aufstehen und um 9:00Uhr loslaufen…

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Wir haben es geschafft!!

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Gegen halb 9erreichten wir nach etwa 5km bergab Santiago genauer gesagt die Kathedrale. Der Platz war fast leer und so konnten wir prima Fotos machen. Die Freude war entsprechend groß und auf dem Weg zum Pilgerbüro begannen wir zu realisieren, dass wir es tatsächlich geschafft hatten. 31Tage ist es heute her seit wir in St. Jean-Pied de Port in Frankreich gestartet sind. Eine unglaublich lange Zeit in der so viel passiert ist! Die erste Woche bin ich noch fleißig gelaufen, dann musste ich wegen einer Sehnenentzündung 5 Tage pausieren und dann nochmal 2Wochen laufen.

Der Weg nach Santiago hinein allerdings ist eher typisch Großstadt-Vorstadt, doch wenn man dann auf dem Kathedralenplatz steht ist die Freude riesig. Nach dem Fotoshooting begaben wir uns auf direktem Weg ins Pilgerbüro um unsere Compostella abzuholen. Die Angst wegen der „2-Stempel-Regel“ blieb unbegründet, denn die Mitarbeiter waren unkompliziert und fragten jediglich wo man gestartet sei. Ich hatte mir vorgenommen ehrlich zu antworten falls die Frage nach „geschummelten“ Kilometern kommt, doch dem war nicht so. Gegen 3€kann man eine „Compostella personalizado“ erwerben auf der genaustens Datum von Beginn und Ankommen sowie die gelaufen Kilometer vermerkt sind. Für weitere 2€ bekommt man eine Art Schutzhülle um die Urkunden gegen Wind und Wetter zu schützen. In weniger als 5Minuten hatten wir also den Beweis…wir sind 775km (ich nur etwa 630) in 31 Tagen gelaufen.

 

 

Anschließend feierten wir bei Café con lêche und Cola, teilten unseren Familien und Freunden stolz mit, dass wir es geschafft haben und quatschten noch ein wenig bevkr wir uns auf die Suche nach einer Albergue machten. Diese liegt ein bisschen außerhalb des Zentrums (etwa 8Gehminuten) und ist einem schmalen Haus untergebracht. Hinter einer unscheinbaren Tür erwaten einen Küche, Wohnzimmer, Garten und mehrere großzügige 6-Bett-Zimmer. WLan gibts auch und der Supermarkt ist quasi um die Ecke, ein Traum!

Kochen werden wir heute aber nicht. Um 15:30Uhr sammelte ich Nadine am Bus ein, denn sie kam extra schon heute aus Finesterra zurück um heute Abend mit uns Essen zu gehen. Die Wiedersehemsfreude war riesig und es gab viel zu erzählen. Da das Wetter immernoch traumhaft sonnig und warm ist ließen wir uns zu einem Plausch im Garten nieder.

Günther und Manfred haben wir übrigens auch heute noch mehrmals getroffen und auch Markus und Arielle liefen uns über den Weg. Mit Larissa treffen wir uns am Dienstag in Finnesterra…da gibt es bestimmt auch noch einige Geschichten auszutauschen.

Gerade haben wir festgestellt, dass die geplanten Tagesetappen von 4x 26-33km falsch simd, da wir aus unerfindlichen Gründen 27km zu viel gerechnet haben. Die 4Tage zur Küste werden also entspannte Spaziergänge von etwa 20km am Tag.

Gleich geht’s los zum Pizza essen und „feiern“. Die Tage erzähle ich mehr, aber jetzt müssen all die Erlebnisse erstmal verarbeitet werden…


**28.04.16**

Blauer Himmel, Sonnenschein und angenehme Temperaturen – Der Jakobsweg zeigt sich zum Abschluss nochmal von seiner besten Seite. Durch endlose Eukalyptuswälder liefen wir die insgesamt 34km bis Monte do Gozo, dem letzten Ort vor Santiago de Compostela.

Die gestrige Faulheit musste aufgearbeitet werden, denn wir wollen morgen früh in Santiago einlaufen. Nach den ersten 15km winkte uns eine Gestalt aus einem Restaurant zu. Bei näherem hinsehen erkannten wir Manfred. Wir beschlossen dort unsere Mittagspause zu machen, da weit und breit kein Tienda in Sicht war. Wie immer bedacht auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung bestellten wir uns einen Hamburger und Cola. Manfred zog weiter und auch wir ließen die Pause nicht zu sehr ausarten, denn wir wollten ja ankommen!

Die Schulklasse der wir zu Beginn des Tages ständig begegneten war nicht mehr zu sehen und wir liefen fast alleine.

 

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Die letzten Kilometer sprachen wir mal nicht miteinander, sonder  liefen Musik hörend nebeneinanderher und jeder hing seinen eigenen Gedanken nach.

Gegen halb 6 erreichten wir Monte do Gozo und blickten erstmals auf Snatiago herab. Dort steht ein Pilgerdenkmal, dass zwar nicht besonders schön ist, aber von uns pflichtbewusst fotografiert wurde.

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Die Herberge dort fasst 400Betten und besteht aus mehreren flachen Bauten. Auf den ersten Blick erinnert es an eine Kaserne und man erwatet fast, dass morgens Trompeten zum Appell blasen. Innen allerdings erwaten einen 6-Bett-Separrés, sodass von der eigentlichen Größe nichts zu bemerken ist. Eine gut ausgestattete Küche und ein kleiner Tienda ein paar Häuser weiter komplettieren die Herberge.

Auf dem Weg zum einkaufen kam uns ein braungebrannter, leicht geschwitzter Günther entgegen. Er ist heute morgen in Melide gestartet und schon über 45km gelaufen. Auf seinen Wunsch machten wir ein Foto von ihm vor dem Denkmal und er teilte uns daraufhin mit, dass er noch bis Santiago weiterlaufen wolle. Respekt vor solch einem Ehrgeiz, denn 52km am Stück könnte ich nicht gehen.

Wir treffen ihn wahrscheinlich morgen in der Messe wieder.

Heute gehts früh ins Betzt, denn morgen wollen wir bereits um halb 8 loslaufen um die 5km bis Santiago de Compostela zu laufen und möglichst ohne Anstehen unsere Compostella zu bekommen.


28km waren heute geplant, aber wie das mit der Planerei so ist…man nimmt sich was vor und am Ende hält man sich doch nicht dran. Motiviert und bei blauem Himmel pilgerten wir dem heutigen Ziel entgegen und freuten uns als wir statt einer Bank in irgendeinem Städtchen einen kleinen Picknickplatz im Wäldchen fanden. Heute waren wieder deutlich mehr „Schummel-Pilger“ unterwegs und ehe wir uns versahen fanden wir uns inmitten einer Reisegruppe o.ä. wieder. Statt 12kg Rucksäcken trugen diese Hip-Bags oder kleine Tagesrucksäcke, was unsererseits zu kleinen Lästereien führte. Neben der Jakobsmuschel war außerdem jeder mit einem „I’m happy to be here“-Aufkleber ausgestattet worden und im Vorbeiziehen erkannten wir, dass es Italiner waren.

 

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Während unserer Pause konnte wir viel Grüppchen Pilger beobachten. Alle Nationalitäten und Alzersklassen waren vertreten. Sogar einige Schulklassen pilgerten humpelnd, schwatzend und kreischend den Weg. Ob das so eine gute Idee ist weiß ich nicht. Den Jakobsweg als eine Schulausflug zu gehen hat meiner Meinung nach etwas von Zwang und das finde ich falsch! Der Camino sollte ein Weg sein, den zu gehen man sich selbst entscheidet. Außerdem ist man so sowohl in der Etappenplanung als auch in der Auswahl der Gesellschaft festgelegt und nicht spontan. Der Sinn des Jakobsweges geht dabei etwas verloren, aber das ist meine Meinung.

Besonders aufgefallen war uns eine Gruppe von 5 Männern, die derart laut Blasmusik-Stücke gesanglich zum Besten gaben, dass sie unschwer als Deutsche zu eekennen waren.

Ganze 1,5km schafften wir nach der Mittagspause, dann trafen wir in einer Bar die deutsche Truppe wieder. Wie sich herausstellte kamen diese 5 aus der Pfalz also gar nicht weit weg von uns. Jedes Jahr gönnen sie sich 8 Tage „Männerurlaub“ und laufen dabei unzerschiedliche Wege. Vor 3 Jahren zum Beispiel auch den Pfälzischen Jakonsweg. Diese lustige Truppe lud uns direkt zu Cola und M&M’s ein und so waren wir gezwungen erneut zu pausieren. Nachdem die 5 weitergezogen waren bestellten wir uns noch einen Milchkaffe und schauten mal „nur so zum Spaß“ nach Ferienwohnungenin Finesterra. Prompt wurden wir fündig und kontaktierten gleich die Vermieterin. Auf antwortet wartend harrten wir eine weitere halbe Stunde aus. Beim warten beobachteten wir weiter die Pilgerscharren und es tat gut einfach mal so herrlich faul zu sein! Plötzlich leuchteten uns ein paar blaue Stulpen entgegen und sofort erkannten wir Manfred, eine unserer dauerhaftesten Pilgrrbekanntschaften. Er ließ sich natürlich gerne zu einem Plausch nieder und wir tauschten Erfahrungen und Erlebnisse der letzten Tage aus. Wenig später tauchten Alex, Alena und Co auf, die wir zuletzt in Astorga gesehen hatten. Auch hier gab es ein bisschen was zu erzählen und bei einem Blick auf dje Uhr stellten wir fest, dass wir bereits volle 3h dort saßen. Also nahmen wir das Ganze als schicksalhafte Fügung und beschlossen nur bis Arzúa (weitere 5km) zu laufen. Nachdem auch noch Markus und Arielle aufgetaucht waren, machten wir uns gegen 16:00Uhr endlich auf den Weg und erreichten schon bald unser Ziel. Am Eingang der Stadt wurden wir von dem Männertrupp mit dem Nahallamarsch empfangen und quittierten dies mit einem fröhlichen „Helau“, begleitet von den verwirrten Blicken einiger Spanier.

Die heutige Albergue entpuppte sich als echter Glücksgriff! Neben WLan und einer voll ausgestatteten Küche bekamen wir ein 4-Betten-Separré und eine heiße Dusche. Der Supermarkt ist ganze 300m weg und wir fühlten uns direkt heimisch. Die ganze Einrichtung ist sehr schlciht aus Sperrholz aber trotzdem ausgesprochen stilvoll! Außer uns sind nur 2weitere Gäste da, sodass eine ruhige Nacht garantiert ist.

Die Besitzerin der Ferienwohnung hatte übrigens geantwortet und nach einer kurzen Korrespondenz sicherte sie uns das Haus oder die Wohnung (?) zu. Ganze 4 Tage Urlaub erwaten uns am “ Ende der Welt“ und wir haben uns riesig gefreut. Die Aussicht auf 50m bis zum Strand und eine ‚eigene‘ Behausung steigerten die Vorfreude ungemein.

Santiago ist zum greifen nah, übermorgen sind wir da. Aktuell plagt uns nir die Angst, dass wir auf den letzten 100km vlt doch täglich 2Stempel hätten sammeln sollen. Internetforen und Pilger geben immer unterschiedliche Aussagen,also bleibt nur hoffen, dass die Damen und Herren im Pilgerbüro nicht kleinkarriert und pingelig bei der Ausgabe der Compostella sind!

 


**26.04.16**

Der Nebel war sogar noch dichter als gestern und es war noch etwas kühl als wir in eine verhältnissmäßig kurze Etappe (heute mal nur 22km) starteten.

 

 

Von einer ruhigen Nacht konnte ich im warsten Sinne des Wortes nur Träumen, denn der Massenschlafsaal hatte zur Folge, dass ich mir ein „Doppelbett“ mit einem der Polen teilte. Ausgerechnet derjenige der Truppe, dee ausgesprochen laut schnarcht. Zwischen halb 2 und halb 5 war an Schlaf nicht mal ansatzweise zu denken. Um 5:30Uhr begannen jene Polen dann aufzustehen und sich alles andere als leise fertig zu machen…Normalerweise sind diese großen Schlafräume kein Problem, aber ab und zu hat man auch mal Pech und teilt sich einen Raum mit Leuten die Schnarchen oder im Schlaf Reden bzw. Quengeln. Mit diesem Schlafdefizit war ich also sehr froh über eine kurze Etappe!

Die Menschenmassen von gestern hatten sich weitesgehend gelichtet und unsere einzigen Begleiter waren zwei Koreaner, die aus unerfindlichen Gründen immer an der Straße anstatt auf den offiziellen Pilgerwegen liefen. Wir überholten uns ständig gegenseitig, sodass sie uns schließlich mit den Worten „see you in 1 minute“ empfingen. Ansonsten verlief der Camino eher unspektakulär aber landschaftlich sehr schön.

Im Laufe des Vormittags lichtete sich auch der Nebel und die Sonne schien warm auf uns herab. Wir sind jedesmal aufs neue fasziniert wieviel so ein bisschen Sonne ausmacht! Schlagartig wird es warm, alles sieht so viel fröhlicher aus und vor allem das Laufen macht so viel Spaß, wenn das Wetter stimmt. Die Jacken wanderten in den Rucksack und die Sonnencreme wurde ausgepackt.

Gegen Mittag erreichten wir Melide und fielen über den nächstbesten Supermarkt her. Beladen mit Tüten stolperten Marie und ich hinter Anne her, die voller Tatendrang auf der Suche nach einer Bank durch die Stadt sprintete. Fündig wurden wir schließlich in einem „Park“. Gestärkt durch Baguette und Milchbrötchen mit Schokocreme wanderten wir die letzten 11km bis Cassanova. Einem kleinen Dorf bestehend aus 30Kühen, 1 Bar und einer Herberge, natürlich ohne WLan. Wir brauchen nicht unbedingt Internet, aber mit ist es doch schöner, denn 1.ist ein Kontakt mit der Familie möglich und 2.können Blogartikel geschrieben und hochgeladen werden.

Eine Küche gab es diesmal auch, allerdings “ ohne Ausstattung“, was soviel bedeutet wie: Küchenzeile mit Herd aber ohne Töpfe oder sonstiges.

Weitsichtig und Lernfähig wie wir nun mal sind hatten wir bereits in Melide alles nötige für ein kaltes Abendessen eingekauft. Die Zeit, die uns durch das frühe Ankommen blib nutzten wir zum Wäsche waschen und trocknen. Bevor wir in Santiago einlaufen muss das einfach nochmal sein ;D. Die meisten Herbergen besitzen glücklicherweise eine Waschmaschiene und für einen Waschgang bezahlt man meist um die 3€. Wichtig ist nur, dass ein Trockner vorhanden ist, denn sonst trocknen die Sachen oft nicht richtig und werden klamm.

Wir lagen ein wenig in der Sonne, lesend, Musik höhrend oder einfach nur dösend. Wir genoßen den Nachmittag und das ganz ohne WLan!

Gegen 6 aßen wir zu Abend und wollten anschließend eigentlich die 100m Weg in die Bar auf uns nehmen. Von einer Mitpilgerin erfuhren wir jedoch, dass es dort auch kein Wlan gibt und so gingen wir früh ins Bett. Bereits um halb 8 lagen wir in den Schlafsäcken, eine Uhrzeit in der man zu Hause nicht mal ans Schlafen denkg, abee hier ticken dis Uhren anders.

Noch 3 Tage bis Santiago…


**25.06.16**

„Überwiegend Sonnig, 8-18°C“, versprach der Wetterbericht. Ein Blick aus dem Fenster zeigte, dass dies wohl noch Zukunftsmusik war, denn eine dicke Nebelwand hang über uns.

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Das  Sarria, als letzter größerer Ort vor der 100km Grenze, ein häufiger Startpunkt ist wurde uns schnell bewusst. Wir liefen nicht mehr alleine, sondern in einer Art Pilgerstrom. Auf der “ Pilgerautobahn“ zwischen Sarria und Santiago ist man nie alleine und ein schnelles Verschwinden im Busch ist nicht mehr möglich. Wir lachten über die „100km-Pilger“ die noch so frisch und übermotiviert losliefen. Zum Teil nur mit einem Erste-Hilfe-Pack am Gürtel, dem anscheinend mehr Bedeutung zugestanden wird als einer Wasserflasche. Man fühlt sich schon ein wenig Erfahrener und betrachtet die unerfahrenen Anfänger mit etwas Schadenfreude. Sätze wie „weißt du noch, als wir angefangen haben“ oder „die sind bestimmt heute losgelaufen“ fielen mehrmals. Dabei wird einem erst bewusst, dass man schon 27 Tage unterwegs ist und vor allem realisieren wir wie nah das Ziel ist! Noch etwa 4 Tage und wir sind da…

Doch soweit ist es noch nicht. Der Nebel verzog sich, es klarte auf und die Sonne begann zu scheinen. In einem kleinen Ort machten wir eine erste kurze Pause um die oberste Schicht Jacken auszuziehen. Die Dörfer kommen ab Sarria fast ausschließlich in 1-3km Abständen. Außerdem ließ sich die Provinz Galicien nicht lumpen und stellte eine Art Meilensteine auf. Auf diesen ist die Entfernung bis Santiago zentimetergenau eingraviert. An und für sich eine schöne Idee, aber nicht wenn diese Steine im Überfluss den Weg säumen. Zum Teil in 100m Schritten kann man ganz genau nachvollziehen wieviel man gelaufen ist und wie lange man noch muss. Meiner Meinung nach ein wenig übertrieben, aber was tut man nicht alles um den Touri-Pilger bei Laune zu halten.

Etwa 11km hinter Sarria knackt man die 100km Marke. Für uns ein besonderer Moment und so wurden die Rucksäcke abgeworfen und ein kleines Fotoshooting veranstaltet.

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Die meisten der Vorbeilaufenden warfen uns nur leicht irritierte Blicke zu und fragten sich wohl, was so toll an einem Stein sein soll. Aber die sind ja auch nicht seit fast 4 Wochen unterwegs.

Gegen Mittag fanden wir einen süßen kleinen Tienda, untergebracht in einer alten Scheune. Die Besitzer, ein älteres Pärchen,boten uns an doch direkt auf ihrer „Terasse“ zu essen, was wir auch taten. Diese entpuppte sich als kleines Stück Wiese voller Tische und Stühle. Während wir aßen zogen ganze Massen von Pilgern vorbei. Sonst sahen wir in unseren Pausen 2-6 Pilger und alles „alte Bekannte“, hier jedoch wanderten ware Pilgerscharen an uns vorbei.

Der Camino verläuft nach Sarria übrigens hügelig über zahlreiche Dörfer bis man schließlich, nach einem kurzen felsigen Abstieg, Portomarin erreicht. Für die meisten ist hier Etappe. Wir wunderten uns ein wenig, dass am oberen Ende der steilen Treppe, die es nach der Überquerung des Sees zu bewältigen gilt, zwei knallgelbe Menschen standen und begeistert einige Pilger vor uns bei Aufstieg fotografierten. Sie trugen weder Rucksack noch passendes Schuhwerk und wir entschieden: Ganz klar keine Pilger. Die beiden, so erfuhren wir, sind Guides bei einem Unternehmen, dass sich “ Marly’s Camino“ nennt. Rucksäcke bzw. Koffer werden im Reisebus transportiert und die Teilnehmer laufen mit Tagesgepäck immer um die 20-25km. Eine wirklich tolle Sache für ältere Menschen, denen ein Rucksack schlicht und einfach zu schwer ist!

Nach Portomarin steigt der Camino nochmals an und nach 7weiteren Kilometern erreicht man Gonzar. Es wurde immr heißer und die Wasservorräte knapp. Ich kämpfte mit meinem Kreislauf und die beiden anderen waren mehrmals gezwungen auf mich zu warten, da ich ihren mittlerweile wieder sehr flotten Schritt nicht mehr mithalten konnten. Nach insgesamt 31km erreichten wir schließlich gegen 17:30Uhr Gonzar und bekamen noch einen Platz in der billigeren der  beiden Herbergen. Dort trafen wir auch Francesco, Martina und Gianluca wieder, die einen kleinen Vorsprung gehabt hatten.

Mangels eines Supermercado fiel Kochen für uns leider flach und wir Speisten sehr preisgünstig im Restaurant gegenüber. ÜbrigensÜbrigens auch der einzige Ort mit WLan. Gegen 9 jedoch warf uns der Besitzer unverblümt hinaus und wir schlichen ins Bett.

Nach Santiago de Compostela wollen wir übrigens noch ans Cap Finestra, dem „Ende der Welt“. Nadine und Larissa sind fleißig gelaufen und bereits heute in Santiago angekommen…


Ungewohnterweise schien heute morgen die Sonne und der Himmel war strahlend blau. Gut gelaunt machten wir uns auf den Weg nach Sarria. Immer steil bergab führte uns der Camino nach Triacastela, doch bei gutem Wetter und ohne Schmerzen lässt es sich herrlich wandern. Lachend und Singend flogen die Kilometer nur so dahin. Das ist das tolle, wenn man nicht alleine läuft, wenn Redebedarf besteht ist immer jemand da. Dabei sind die Gesprächsthemen breitgefächert und oftmals wird viel gelacht. Manchmal jedoch laufen wir minuten- oder sogar stundenlang schweigend nebeneinander her und jeder hängt seinen eigenen Gedanken nach. Der Jakobsweg hat einfach etwas meditatives! Man läuft und läuft und muss sich keine Gedanken machen, wo es langgeht oder wann man da sein muss. Man folgt stur den gelben Pfeilen und lässt die Gedanken schweifen. Im Kopf läuft dabei häufig das ein oder andere Lied und man kommt sich vor wie ein Radiosender.

Die Landschaft ist weiterhin unglaublich schön, doch irgendwie ganz anders als man sich Spanien vorstellt. Erzählt man zu Hause, dass man 6 Wochen in Spanien wandert ist die Reaktion eigentlich immer die gleiche: „Oh Spanien…toll…die Sonne, das Meer, Strand und Palmen“. Leider sieht die Realität etwas anders aus. Das Meer ist gute 300km entfernt und Strand und Palmen gibt es hier schon mal gar nicht! Die Sonne zeigt sich meiner Meinung nach viel zu selten und es regnet etwas  oft. Aber das ist eben der Norden Spaniens und der erinnert Landschaftlich an jedes x-beliebige deutsche oder östereischiche Gebirge.

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Die morgendliche Kühle verzog sich schnell und die ersten Schichten wanderten an den Rucksack. Zwischenzeitlich passierten wir einige Dörfer und trafen tendenziell mehr Tiere als Menschen an…

Nach Triacastela kommt man an eine Gabelung. Dort muss sich der Pilger entscheiden, ob er einen Umweg von etwa 7km läuft, um das Kloster Samos zu sehen oder ob man den direkten Weg nach Sarria wählt. Ich wäre wirklich gerne zum Kloster gelaufen, doch wir erfuhren, dass eine Besichtung nur zweimal am Tag möglich ist, nämlich morgens um halb 11 und abends nocheinmal. Da die Füße doch ein wenig müde waren, beschlossen wir nach kurzem Überlegen direkt nach Sarria zu pilgern.

Auf einer Anhöhe aßen wir zu Mittag. Mangels Sitzgelegenheiten setzten wir uns einfach auf unsere Ponchos an den Wegrand und wurden so zum „Cookie-Stand“ für die Vorbeipilgernden. Die Sonne schien warm und die Aussicht war fantastisch.

Nach Sarria steigt man dann nochmal etwa 13km ab. Dabei führt der Camino durch Waldstücke und kleine Dörfer, sowie entlang der Weiden und Wiesen. Es wurde immer wärmer und wir „zippten“ die Hosenbeine ab. Mit kurzen Hosen und T-Shirt fühlt es sich gleich viel mehr nach Urlaub an und wir liefen beschwingt weiter.

Gegen Ende hin wurde der Weg sehr steil und rutschig und jeder Knochen, jede Sehne und jeder Muskel in Füßen und Beinen wollte mitteilen, dass er bzw. sie auch noch da ist. Da wir alle drei relativ starke Schmerzen hatten, beschlossen wir in Sarria zu bleiben und nicht noch 4-5km weiter zu laufen.

Die Herberge die wir aussuchten wollte und wollte nicht auftauchen. Wir wollten einfach nur noch ankommen, denn so schön das Laufen durch die Natur ist in den Städten ist es schlicht anstrengend und nervenaufreibend. „Die nächste mit Küche nehmen wir“ schworen wir uns und die war ein echter Glücksgriff. Sauber, hell und freundlich mit  einem Schlafsaal im Erdgeschoss, sowie einer Küche unter dem Dach. Außerdem ein kleiner Garten und ideal zentral gelegen. Für uns also perfekt!

Wir kauften ein, hoben Geld ab und landeten schließlich in einer Art Pilgerbedarf. Marie und ich leisteten uns je 2 Gummiaufsätze für unsere Wanderstöcke, denn das ständige geklapper auf Asphalt und Kies ist einfach nur nervig.

Nach dem Essen saßen wir noch kurz beisammen, lachten und Quatschten und schließlich gingen wir schlafen.

Noch so ein Phänomen! Dadurch, dass man morgens zwischen 6:30Uhr und 7:00Ubr aufsteht ist man spätestens um 21:00Uhr tot müde und will ins Bett.

Von Saria aus sind es übrigens nur noch knapp 115km bis nach Santiago. Wir können es kaum glauben, dass wir schon so nah sind!