„Ultreia et Sueisa“ (lat. Auf gehts-immer weiter) ist ein uralter Pilgergruß und dient zur gegenseitigen Aufmunterung. Für uns 3 sind es ebenfalls passende Worte, denn auch wir gehen weiter, immer weiter…

Wir schliefen aus! Wenn man das so nennen kann. Um 8:15Uhr klingelte der Wecker und wir begannen den Tag gaaanz gemütlich. Nach einem ausgedehnten Frühstück mit frischen Erdbeeren und Joghurt beschlossen wir nachzufragen, ob eine Reservierung für das kommende Wochenende möglich ist, denn ab dem 07.05. sind wir nocheinmal in Santiago. Die beiden Volunteers teilten uns mit, dass der „Chef“ erst gegen 10:00Uhr kommt. Während wir warteten verabschiedete sich Nadine, die heute nach Hause fliegt. Wir versprachen Kontakt zu halten und kaum war sie weg tauchte auch der Hospitalero auf und wir konnten uns ein 4-Bett-Zimmer reservieren. Entspannt und erfreut über das gute Wetter trotteten wir erstmal zurück zur Kathedrale, denn gut organisiert wie wir nunmal waren, hatten wir natürlich keine Ahnung wo der Weg langing. Mithilfe eines Forenbeitrags und viel Fantasie fanden wir dann doch die entsprechenden Pfeile und ließen Santiago hinter uns. Der „Camino de Fisterre“ beginnt an der Kathedrale, führt aus der Stadt hinaus und verläuft schließlich über Waldwege und nur sehr selten an Straße  entlang. Es war warm und sonnig und wir hatten das Gefühl einen Sonntagsspaziergang zu machen. Wir liefen mit einer gewissen Leichtigkeit und irgendwie schien es ein ganz anderer Weg zu sein, ohne „Verpflichtungen“. Das ist eventuell ein bisschen schwer zu erklären, aber auf dem Jakobsweg nach Santiago, dem Camino Francés hatte man immer das Gefühl man muss weiter und man will unbedingt ankommen. Das Laufen war trotzdem toll und hat Spaß gemacht aber irgendwie hatte man immer das Ziel im Kopf und auf den letzten 100km wollte man dann auch endlich ankommen. Der Ehrgeiz hatte von Körper und Geist Besitz ergriffen. Hier ist das irgendwie anders. Man läuft zwar genauso mit Rucksack, hohlt sich brav seinen Stempel und trifft einige andere Pilger, aber aus einem Grund, den ich noch nicht so ganz verstehe, fühle ich mich selstsam befreit (?). Das große, anfangs weit entfernte Ziel liegt hinter einem und man läuft “ halt eben nochmal schnell 90km“. Santiago ist erreicht, die Compostella im Rucksack und jetzt sind wir bereit nach Fisterre zu schweben…klingt sehr poetisch und philosphisch fühlt sich aber genauso an. Ich schwebe…keine Schmerzen mehr und eine schiere Freude am Laufen, zumal wir nur kleine Etappen von etwa 20-25km haben. An dieser Stelle ist nocheinmal zu betonen, dass der Camino vorher keinesfall eine Art Pflicht für mich war! Ich habe mich selbst dazu enzschieden diesen Weg zu gehen und ich bin glücklich darüber. Glücklich,  dass ich losgelaufen bin, glücklich, dass ich angekommen bin und glücklich, dass ich zwei so tolle Begleiterinnen dabei hatte. Anne und Marie haben mir mehr als einmal in den A**** getreten, wenn ich ein bisschen quengelig oder unmotiviert war und darüber bin ich sehr froh!

Ziel heute war Negreira, wo wir gegen 16:15Uhr eintrafen. Wir waren spät losgelaufen, hatte eine lange Mittagspause gemacht und uns beim wandern/pilgern viel Zeit gelassen. Die Herbergswirtin empfing uns mit den Worten „kittchen, Wifi, Beds“ und zählte so mit die wichtigsten Dinge auf. Ein riesiger Schlafsaal könnte eine unruhige Nacht bedeuten und so legten wir in weiser Vorraussicht die Ohrenstöpsel zurecht.

Im Supermarkt um die Ecke deckten wir uns mit Lebensmitteln ein und kochten Gemüse mit Ei und Käse. Dazu gab es Tomatensalat und zum Nachtisch Mouse au Chocolat. Mit vollen Bäuchen kugelten wir ins Bett und saßen dort noch eine Weile schwatzend zusammen, bevor wir uns schlafen legten.

Die Albergue müssen wir zu keiner bestimmten Zeit verlassen, sodass wir wieder erst um 8:00Uhr aufstehen und um 9:00Uhr loslaufen…

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