Cassanova➡Arzúa

28km waren heute geplant, aber wie das mit der Planerei so ist…man nimmt sich was vor und am Ende hält man sich doch nicht dran. Motiviert und bei blauem Himmel pilgerten wir dem heutigen Ziel entgegen und freuten uns als wir statt einer Bank in irgendeinem Städtchen einen kleinen Picknickplatz im Wäldchen fanden. Heute waren wieder deutlich mehr „Schummel-Pilger“ unterwegs und ehe wir uns versahen fanden wir uns inmitten einer Reisegruppe o.ä. wieder. Statt 12kg Rucksäcken trugen diese Hip-Bags oder kleine Tagesrucksäcke, was unsererseits zu kleinen Lästereien führte. Neben der Jakobsmuschel war außerdem jeder mit einem „I’m happy to be here“-Aufkleber ausgestattet worden und im Vorbeiziehen erkannten wir, dass es Italiner waren.

 

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Während unserer Pause konnte wir viel Grüppchen Pilger beobachten. Alle Nationalitäten und Alzersklassen waren vertreten. Sogar einige Schulklassen pilgerten humpelnd, schwatzend und kreischend den Weg. Ob das so eine gute Idee ist weiß ich nicht. Den Jakobsweg als eine Schulausflug zu gehen hat meiner Meinung nach etwas von Zwang und das finde ich falsch! Der Camino sollte ein Weg sein, den zu gehen man sich selbst entscheidet. Außerdem ist man so sowohl in der Etappenplanung als auch in der Auswahl der Gesellschaft festgelegt und nicht spontan. Der Sinn des Jakobsweges geht dabei etwas verloren, aber das ist meine Meinung.

Besonders aufgefallen war uns eine Gruppe von 5 Männern, die derart laut Blasmusik-Stücke gesanglich zum Besten gaben, dass sie unschwer als Deutsche zu eekennen waren.

Ganze 1,5km schafften wir nach der Mittagspause, dann trafen wir in einer Bar die deutsche Truppe wieder. Wie sich herausstellte kamen diese 5 aus der Pfalz also gar nicht weit weg von uns. Jedes Jahr gönnen sie sich 8 Tage „Männerurlaub“ und laufen dabei unzerschiedliche Wege. Vor 3 Jahren zum Beispiel auch den Pfälzischen Jakonsweg. Diese lustige Truppe lud uns direkt zu Cola und M&M’s ein und so waren wir gezwungen erneut zu pausieren. Nachdem die 5 weitergezogen waren bestellten wir uns noch einen Milchkaffe und schauten mal „nur so zum Spaß“ nach Ferienwohnungenin Finesterra. Prompt wurden wir fündig und kontaktierten gleich die Vermieterin. Auf antwortet wartend harrten wir eine weitere halbe Stunde aus. Beim warten beobachteten wir weiter die Pilgerscharren und es tat gut einfach mal so herrlich faul zu sein! Plötzlich leuchteten uns ein paar blaue Stulpen entgegen und sofort erkannten wir Manfred, eine unserer dauerhaftesten Pilgrrbekanntschaften. Er ließ sich natürlich gerne zu einem Plausch nieder und wir tauschten Erfahrungen und Erlebnisse der letzten Tage aus. Wenig später tauchten Alex, Alena und Co auf, die wir zuletzt in Astorga gesehen hatten. Auch hier gab es ein bisschen was zu erzählen und bei einem Blick auf dje Uhr stellten wir fest, dass wir bereits volle 3h dort saßen. Also nahmen wir das Ganze als schicksalhafte Fügung und beschlossen nur bis Arzúa (weitere 5km) zu laufen. Nachdem auch noch Markus und Arielle aufgetaucht waren, machten wir uns gegen 16:00Uhr endlich auf den Weg und erreichten schon bald unser Ziel. Am Eingang der Stadt wurden wir von dem Männertrupp mit dem Nahallamarsch empfangen und quittierten dies mit einem fröhlichen „Helau“, begleitet von den verwirrten Blicken einiger Spanier.

Die heutige Albergue entpuppte sich als echter Glücksgriff! Neben WLan und einer voll ausgestatteten Küche bekamen wir ein 4-Betten-Separré und eine heiße Dusche. Der Supermarkt ist ganze 300m weg und wir fühlten uns direkt heimisch. Die ganze Einrichtung ist sehr schlciht aus Sperrholz aber trotzdem ausgesprochen stilvoll! Außer uns sind nur 2weitere Gäste da, sodass eine ruhige Nacht garantiert ist.

Die Besitzerin der Ferienwohnung hatte übrigens geantwortet und nach einer kurzen Korrespondenz sicherte sie uns das Haus oder die Wohnung (?) zu. Ganze 4 Tage Urlaub erwaten uns am “ Ende der Welt“ und wir haben uns riesig gefreut. Die Aussicht auf 50m bis zum Strand und eine ‚eigene‘ Behausung steigerten die Vorfreude ungemein.

Santiago ist zum greifen nah, übermorgen sind wir da. Aktuell plagt uns nir die Angst, dass wir auf den letzten 100km vlt doch täglich 2Stempel hätten sammeln sollen. Internetforen und Pilger geben immer unterschiedliche Aussagen,also bleibt nur hoffen, dass die Damen und Herren im Pilgerbüro nicht kleinkarriert und pingelig bei der Ausgabe der Compostella sind!

 

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Gonzar➡Cassanova

**26.04.16**

Der Nebel war sogar noch dichter als gestern und es war noch etwas kühl als wir in eine verhältnissmäßig kurze Etappe (heute mal nur 22km) starteten.

 

 

Von einer ruhigen Nacht konnte ich im warsten Sinne des Wortes nur Träumen, denn der Massenschlafsaal hatte zur Folge, dass ich mir ein „Doppelbett“ mit einem der Polen teilte. Ausgerechnet derjenige der Truppe, dee ausgesprochen laut schnarcht. Zwischen halb 2 und halb 5 war an Schlaf nicht mal ansatzweise zu denken. Um 5:30Uhr begannen jene Polen dann aufzustehen und sich alles andere als leise fertig zu machen…Normalerweise sind diese großen Schlafräume kein Problem, aber ab und zu hat man auch mal Pech und teilt sich einen Raum mit Leuten die Schnarchen oder im Schlaf Reden bzw. Quengeln. Mit diesem Schlafdefizit war ich also sehr froh über eine kurze Etappe!

Die Menschenmassen von gestern hatten sich weitesgehend gelichtet und unsere einzigen Begleiter waren zwei Koreaner, die aus unerfindlichen Gründen immer an der Straße anstatt auf den offiziellen Pilgerwegen liefen. Wir überholten uns ständig gegenseitig, sodass sie uns schließlich mit den Worten „see you in 1 minute“ empfingen. Ansonsten verlief der Camino eher unspektakulär aber landschaftlich sehr schön.

Im Laufe des Vormittags lichtete sich auch der Nebel und die Sonne schien warm auf uns herab. Wir sind jedesmal aufs neue fasziniert wieviel so ein bisschen Sonne ausmacht! Schlagartig wird es warm, alles sieht so viel fröhlicher aus und vor allem das Laufen macht so viel Spaß, wenn das Wetter stimmt. Die Jacken wanderten in den Rucksack und die Sonnencreme wurde ausgepackt.

Gegen Mittag erreichten wir Melide und fielen über den nächstbesten Supermarkt her. Beladen mit Tüten stolperten Marie und ich hinter Anne her, die voller Tatendrang auf der Suche nach einer Bank durch die Stadt sprintete. Fündig wurden wir schließlich in einem „Park“. Gestärkt durch Baguette und Milchbrötchen mit Schokocreme wanderten wir die letzten 11km bis Cassanova. Einem kleinen Dorf bestehend aus 30Kühen, 1 Bar und einer Herberge, natürlich ohne WLan. Wir brauchen nicht unbedingt Internet, aber mit ist es doch schöner, denn 1.ist ein Kontakt mit der Familie möglich und 2.können Blogartikel geschrieben und hochgeladen werden.

Eine Küche gab es diesmal auch, allerdings “ ohne Ausstattung“, was soviel bedeutet wie: Küchenzeile mit Herd aber ohne Töpfe oder sonstiges.

Weitsichtig und Lernfähig wie wir nun mal sind hatten wir bereits in Melide alles nötige für ein kaltes Abendessen eingekauft. Die Zeit, die uns durch das frühe Ankommen blib nutzten wir zum Wäsche waschen und trocknen. Bevor wir in Santiago einlaufen muss das einfach nochmal sein ;D. Die meisten Herbergen besitzen glücklicherweise eine Waschmaschiene und für einen Waschgang bezahlt man meist um die 3€. Wichtig ist nur, dass ein Trockner vorhanden ist, denn sonst trocknen die Sachen oft nicht richtig und werden klamm.

Wir lagen ein wenig in der Sonne, lesend, Musik höhrend oder einfach nur dösend. Wir genoßen den Nachmittag und das ganz ohne WLan!

Gegen 6 aßen wir zu Abend und wollten anschließend eigentlich die 100m Weg in die Bar auf uns nehmen. Von einer Mitpilgerin erfuhren wir jedoch, dass es dort auch kein Wlan gibt und so gingen wir früh ins Bett. Bereits um halb 8 lagen wir in den Schlafsäcken, eine Uhrzeit in der man zu Hause nicht mal ans Schlafen denkg, abee hier ticken dis Uhren anders.

Noch 3 Tage bis Santiago…

Sarria➡Gonzar

**25.06.16**

„Überwiegend Sonnig, 8-18°C“, versprach der Wetterbericht. Ein Blick aus dem Fenster zeigte, dass dies wohl noch Zukunftsmusik war, denn eine dicke Nebelwand hang über uns.

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Das  Sarria, als letzter größerer Ort vor der 100km Grenze, ein häufiger Startpunkt ist wurde uns schnell bewusst. Wir liefen nicht mehr alleine, sondern in einer Art Pilgerstrom. Auf der “ Pilgerautobahn“ zwischen Sarria und Santiago ist man nie alleine und ein schnelles Verschwinden im Busch ist nicht mehr möglich. Wir lachten über die „100km-Pilger“ die noch so frisch und übermotiviert losliefen. Zum Teil nur mit einem Erste-Hilfe-Pack am Gürtel, dem anscheinend mehr Bedeutung zugestanden wird als einer Wasserflasche. Man fühlt sich schon ein wenig Erfahrener und betrachtet die unerfahrenen Anfänger mit etwas Schadenfreude. Sätze wie „weißt du noch, als wir angefangen haben“ oder „die sind bestimmt heute losgelaufen“ fielen mehrmals. Dabei wird einem erst bewusst, dass man schon 27 Tage unterwegs ist und vor allem realisieren wir wie nah das Ziel ist! Noch etwa 4 Tage und wir sind da…

Doch soweit ist es noch nicht. Der Nebel verzog sich, es klarte auf und die Sonne begann zu scheinen. In einem kleinen Ort machten wir eine erste kurze Pause um die oberste Schicht Jacken auszuziehen. Die Dörfer kommen ab Sarria fast ausschließlich in 1-3km Abständen. Außerdem ließ sich die Provinz Galicien nicht lumpen und stellte eine Art Meilensteine auf. Auf diesen ist die Entfernung bis Santiago zentimetergenau eingraviert. An und für sich eine schöne Idee, aber nicht wenn diese Steine im Überfluss den Weg säumen. Zum Teil in 100m Schritten kann man ganz genau nachvollziehen wieviel man gelaufen ist und wie lange man noch muss. Meiner Meinung nach ein wenig übertrieben, aber was tut man nicht alles um den Touri-Pilger bei Laune zu halten.

Etwa 11km hinter Sarria knackt man die 100km Marke. Für uns ein besonderer Moment und so wurden die Rucksäcke abgeworfen und ein kleines Fotoshooting veranstaltet.

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Die meisten der Vorbeilaufenden warfen uns nur leicht irritierte Blicke zu und fragten sich wohl, was so toll an einem Stein sein soll. Aber die sind ja auch nicht seit fast 4 Wochen unterwegs.

Gegen Mittag fanden wir einen süßen kleinen Tienda, untergebracht in einer alten Scheune. Die Besitzer, ein älteres Pärchen,boten uns an doch direkt auf ihrer „Terasse“ zu essen, was wir auch taten. Diese entpuppte sich als kleines Stück Wiese voller Tische und Stühle. Während wir aßen zogen ganze Massen von Pilgern vorbei. Sonst sahen wir in unseren Pausen 2-6 Pilger und alles „alte Bekannte“, hier jedoch wanderten ware Pilgerscharen an uns vorbei.

Der Camino verläuft nach Sarria übrigens hügelig über zahlreiche Dörfer bis man schließlich, nach einem kurzen felsigen Abstieg, Portomarin erreicht. Für die meisten ist hier Etappe. Wir wunderten uns ein wenig, dass am oberen Ende der steilen Treppe, die es nach der Überquerung des Sees zu bewältigen gilt, zwei knallgelbe Menschen standen und begeistert einige Pilger vor uns bei Aufstieg fotografierten. Sie trugen weder Rucksack noch passendes Schuhwerk und wir entschieden: Ganz klar keine Pilger. Die beiden, so erfuhren wir, sind Guides bei einem Unternehmen, dass sich “ Marly’s Camino“ nennt. Rucksäcke bzw. Koffer werden im Reisebus transportiert und die Teilnehmer laufen mit Tagesgepäck immer um die 20-25km. Eine wirklich tolle Sache für ältere Menschen, denen ein Rucksack schlicht und einfach zu schwer ist!

Nach Portomarin steigt der Camino nochmals an und nach 7weiteren Kilometern erreicht man Gonzar. Es wurde immr heißer und die Wasservorräte knapp. Ich kämpfte mit meinem Kreislauf und die beiden anderen waren mehrmals gezwungen auf mich zu warten, da ich ihren mittlerweile wieder sehr flotten Schritt nicht mehr mithalten konnten. Nach insgesamt 31km erreichten wir schließlich gegen 17:30Uhr Gonzar und bekamen noch einen Platz in der billigeren der  beiden Herbergen. Dort trafen wir auch Francesco, Martina und Gianluca wieder, die einen kleinen Vorsprung gehabt hatten.

Mangels eines Supermercado fiel Kochen für uns leider flach und wir Speisten sehr preisgünstig im Restaurant gegenüber. ÜbrigensÜbrigens auch der einzige Ort mit WLan. Gegen 9 jedoch warf uns der Besitzer unverblümt hinaus und wir schlichen ins Bett.

Nach Santiago de Compostela wollen wir übrigens noch ans Cap Finestra, dem „Ende der Welt“. Nadine und Larissa sind fleißig gelaufen und bereits heute in Santiago angekommen…

Fonfria➡Sarria

Ungewohnterweise schien heute morgen die Sonne und der Himmel war strahlend blau. Gut gelaunt machten wir uns auf den Weg nach Sarria. Immer steil bergab führte uns der Camino nach Triacastela, doch bei gutem Wetter und ohne Schmerzen lässt es sich herrlich wandern. Lachend und Singend flogen die Kilometer nur so dahin. Das ist das tolle, wenn man nicht alleine läuft, wenn Redebedarf besteht ist immer jemand da. Dabei sind die Gesprächsthemen breitgefächert und oftmals wird viel gelacht. Manchmal jedoch laufen wir minuten- oder sogar stundenlang schweigend nebeneinander her und jeder hängt seinen eigenen Gedanken nach. Der Jakobsweg hat einfach etwas meditatives! Man läuft und läuft und muss sich keine Gedanken machen, wo es langgeht oder wann man da sein muss. Man folgt stur den gelben Pfeilen und lässt die Gedanken schweifen. Im Kopf läuft dabei häufig das ein oder andere Lied und man kommt sich vor wie ein Radiosender.

Die Landschaft ist weiterhin unglaublich schön, doch irgendwie ganz anders als man sich Spanien vorstellt. Erzählt man zu Hause, dass man 6 Wochen in Spanien wandert ist die Reaktion eigentlich immer die gleiche: „Oh Spanien…toll…die Sonne, das Meer, Strand und Palmen“. Leider sieht die Realität etwas anders aus. Das Meer ist gute 300km entfernt und Strand und Palmen gibt es hier schon mal gar nicht! Die Sonne zeigt sich meiner Meinung nach viel zu selten und es regnet etwas  oft. Aber das ist eben der Norden Spaniens und der erinnert Landschaftlich an jedes x-beliebige deutsche oder östereischiche Gebirge.

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Die morgendliche Kühle verzog sich schnell und die ersten Schichten wanderten an den Rucksack. Zwischenzeitlich passierten wir einige Dörfer und trafen tendenziell mehr Tiere als Menschen an…

Nach Triacastela kommt man an eine Gabelung. Dort muss sich der Pilger entscheiden, ob er einen Umweg von etwa 7km läuft, um das Kloster Samos zu sehen oder ob man den direkten Weg nach Sarria wählt. Ich wäre wirklich gerne zum Kloster gelaufen, doch wir erfuhren, dass eine Besichtung nur zweimal am Tag möglich ist, nämlich morgens um halb 11 und abends nocheinmal. Da die Füße doch ein wenig müde waren, beschlossen wir nach kurzem Überlegen direkt nach Sarria zu pilgern.

Auf einer Anhöhe aßen wir zu Mittag. Mangels Sitzgelegenheiten setzten wir uns einfach auf unsere Ponchos an den Wegrand und wurden so zum „Cookie-Stand“ für die Vorbeipilgernden. Die Sonne schien warm und die Aussicht war fantastisch.

Nach Sarria steigt man dann nochmal etwa 13km ab. Dabei führt der Camino durch Waldstücke und kleine Dörfer, sowie entlang der Weiden und Wiesen. Es wurde immer wärmer und wir „zippten“ die Hosenbeine ab. Mit kurzen Hosen und T-Shirt fühlt es sich gleich viel mehr nach Urlaub an und wir liefen beschwingt weiter.

Gegen Ende hin wurde der Weg sehr steil und rutschig und jeder Knochen, jede Sehne und jeder Muskel in Füßen und Beinen wollte mitteilen, dass er bzw. sie auch noch da ist. Da wir alle drei relativ starke Schmerzen hatten, beschlossen wir in Sarria zu bleiben und nicht noch 4-5km weiter zu laufen.

Die Herberge die wir aussuchten wollte und wollte nicht auftauchen. Wir wollten einfach nur noch ankommen, denn so schön das Laufen durch die Natur ist in den Städten ist es schlicht anstrengend und nervenaufreibend. „Die nächste mit Küche nehmen wir“ schworen wir uns und die war ein echter Glücksgriff. Sauber, hell und freundlich mit  einem Schlafsaal im Erdgeschoss, sowie einer Küche unter dem Dach. Außerdem ein kleiner Garten und ideal zentral gelegen. Für uns also perfekt!

Wir kauften ein, hoben Geld ab und landeten schließlich in einer Art Pilgerbedarf. Marie und ich leisteten uns je 2 Gummiaufsätze für unsere Wanderstöcke, denn das ständige geklapper auf Asphalt und Kies ist einfach nur nervig.

Nach dem Essen saßen wir noch kurz beisammen, lachten und Quatschten und schließlich gingen wir schlafen.

Noch so ein Phänomen! Dadurch, dass man morgens zwischen 6:30Uhr und 7:00Ubr aufsteht ist man spätestens um 21:00Uhr tot müde und will ins Bett.

Von Saria aus sind es übrigens nur noch knapp 115km bis nach Santiago. Wir können es kaum glauben, dass wir schon so nah sind!

Vega de Valcarce➡Fonfria

Getreu nach dem Motto „Es gibt kein falsches Wetter, sondern nur falsche Kleidung“ ließen wir uns vom Regen nicht beirren und marschierten wieder zur gewohnt „frühen“ Zeit los. Die Albergue hatte sich als doch recht warm erwiesen, außerdem reichte der WLan-Empfang bis ins Bett.

Leider machen die Bäckereien oder Supermercados oft nicht vor 11 auf, also starteten wir ohne Frühstück mit der Option schnellstmöglich ein Café oder ähnliches zu finden. Vega liegt in einem tiefen Tal und dort jagt ein klitzekleiner Ort den Nächsten. Der einzige Tienda, den wir fanden führte jediglich eine Minimalausstattung an Lebensmitteln, aber Not macht erfinderisch. Ausgewogen und energiereich war dann auch unser Frühstück, bestehend aus Tütencroissant, Doppelkekesen und Äpfeln.

Einige Kilometer nach Vega beginnt der steile Aufstieg nach O’Cebreiro. Ganze 400Höhenmeter galt es zu bewältigen. Zu Beginn spielte zumindest das Wetter mit, doch nach den ersten 5km begann es in strömen zu Regnen. Der Aufstieg gilt als einer der härtesten des ganzen Camino und führt über einen gepflasterten Weg unbarmherzig steil bergauf. Als Gegenleistung bietet sich dem Pilger eine fabelhafte Aussicht über die Galizische Bergwelt, zumindest bei schönem Wetter. Strömender Regen lässt alles etwas graustichig erscheinen.

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Zwischendurch schien jedoch kurz die Sonne und schlagartig schienen die Temperaturen um 10°C zu steigen.

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Bis O Cebreiro war keine Besserung der Wetterlage in Sicht und so entschlossen wir uns erstmal eine ausgedehnte Mittagspause zu machen. Das Dorf liegt etwa 1300Meter hoch und ist vorallem durch das sogenannte „Hostienwunder“ bekannt. Dies ereignete sich ungefähr so:

„Ein Bauer kommt an einem stürmischen, Regnerischen Tag zur Messe, die von einem an Gott zweifelden Mönch gehalten wird. Dieser jedoch weigert sich für einen einzelnen “ dummen“ Bauern die Messe zu halten. Der Mann besteht darauf und der Mönch liest die Messe. Während der Wandlung geschieht das unglaubliche: das Brot verwandelt sich in Fleisch und der Wein in das Blut Christi…“

So zumindest die Legende. O Cebreiro ist sehr klein und wunderschön, doch wenn es regnet möchte man nicht Dörfchen ansehen sondern einfach nur ins Trockene. Viele Touristen säumten die Straße und fanden es ganz toll neben alten Gemäuern auch noch ein paar echte Pilger sehen zu können. Der einzige Tienda weit und breit befand sich in einer kleinen Rundhütte mit Strohdach. Die Besitzerin erlaubte uns im Laden zu essen und wir bekamen neben einem Platz vor dem Kamin auch ein Brett und ein Messer zur Verfügung gestelt. Der Regen ließ vorerst nicht nach und so streiften wir die Poncos über, von uns liebevoll „Müllsäcke“ genannt. Wie das numal ist, kaum ist man ordentlich gegen den Regen gerüstet kommt die Sonne raus. Uns freute es und so stiegen wir die restlichen Meter zum „Alto San Roque“, dem höchsten Punkt der Etappe auf.

Auf dem Pass steht ein Pilgerdenkmal, dass einen gegen den Wind ankämpfenden Wanderer zeigt.

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Das Wetter blieb schön und wir wanderten entspannt unserem heutigen Etappenziel entgegen. Der Camino führte beinahe ausnahmslos bergab und wir erfreuten uns an der Aumakiert

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Während der heutigen Route passierten wir außerdem den Grenzstein, der Beginn der spanischen Provinz Galicien makiert. Von dort aus sind es nur noch knapp über 150km bis Santiago, ein komisches Gefühl…

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Zum Abschluss des Abends lernten wir noch eine echte Spezialität kennen: Queimada! Frei übersetzt heißt das „die Verbrannte“. Dabei handelt es sich um einen Tresterbrandet der mit Kaffe und Obst verfeinert und schließlich flambiert wird. Jeder der Anwesenden ist dann dazu aufgefordert einen Wunsch oder Gedanken auszusprechen während er oder sie in der Schüssel rührt. Alle Anwesenden antworten dann mit einem Satz.  Sehr spannend anzusehen aber probieren wollten wir die 60‰ Mischung dann doxh nicht!

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Meine persönlcihen Helden des Tages sind ein Ehepaar aus Deustchland, Hella und Eberhadt. Die beide  schenkten uns eine Tube Hirschtalg-Salbe. Wir waren unglaublich dankbar, denn keine der hier gekauften Fußcremes reichte auch nur annähernd an dieses “ typisch deutsche“ Produkt heran.

 

Camponaraya➡Vega de Valcarce

„Morgen stehen wir mal wieder normal auf“…

Tatsächlich schafften es selbst Marie und ich bis um 7:30Uhr fertig angezogen zu sein. Die Rucksäcke waren gepackt und nach dem Frühstück starteten wir gegen 8:15Uhr in die heutige Etappe. Geplant waren knapp 31km. Das Wetter schien uns heute zu mögen, denn nach einem kurzen Schauer am Morgen schien beinahe den ganzen Tag die Sonne.

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Durch Weinberge, vorbei an kleinen Bodegas und ständig rauf und runter fanden wir uns gegen Mittag in Villafranca del Bierzo wieder. Dieser Ort entpuppte sich als „schnuggelisches“ Dörfchen inmitten eines Talkessels und somit durchzogen von steilen Sträßchen. Hier teilt sich der Jakobsweg und bis Triacastela kann man zwischen zwei Routen wählen. Die längere (7km) wird „Camino duro“, der harte Weg genannt, denn sie führt als steiler Naturpfad fast 300 Höhenmeter hinauf. Die Alternativroute verläuft entlang der Bundesstraße. Da Füße und Beine soweit fit waren, planten wir den Camino duro zu gehen.

Der Bauch meldete „zeit zum Essen“ und dieser Bitte kamen wir gerne nach. Außerdem wurden die Jacken weggepackt und die Hosen abgezipt, denn es war ungewöhnlich warm, was uns freute.

Den Aufstieg allerdings verpassten wir, denn weit und breit waren keine Schilder zu sehen. Zum zurückgehen und suchen warn wir dann doch zu faul und so liefen wir die 5km bis Triacastela an der Straße. Bei gemäßisytem Verkehr und schönstem Sonnenwetter war dies vielleicht nicht die landschaftlich reizvollere Route aber dennoch ganz schön. Zumal man den Pilgern einen Seitenstreifen durch eine hüfthohe Betonmauer abgetrennt hat, sodass selbst schnelle Autos genügend Abstand hatten.

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Die Füße wollten heute nicht so, aber ich lief tapfer weiter. Meiner Sehne geht es zwar recht gut aber die Füße sind wund und Schmerzen. Mit dem Vesprechen einer Fußmassage lockte ich die beiden Unruhestifter weiter vorwärts und gegen 16:00 Uhr erreichten wir Vega de Valcarce. Kurz davor trafen wir einen kleinen Esel vollgepackt mit Taschen und diversen Utensilien, die darauf schließen liesen, dass der Kleine zu einem Pilger gehört.

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Mit drei Karotten, die ich noch im Rucksack hatte, schlossen wir Freundschaft. Getreu nach dem Motto:“Jeden Tag ein neuer Freund“!

Kaum erreichten wir Vega began es zu regnen und wir beeilten uns die Albergue Municipal zu erreichen. Heizung und Küche verprach unser Plan. Die Realität sah ein wenig anders aus. Ein minikleiner, popeliger Heizkörper sollte 3 Räume warmhalten. Utopisch, aber aufgrund des guten Wetters zu verschmerzen. Die Küche befand sich im Freien und bestand aus einer Campingkochplatte und einer Spüle.

Wir überlegten nicht lange und fragten bei der Hospitalera nach einem Restaurante, bevorzugt eine Pizzeria. Sie wies uns den Weg und wir humpelten guter Dinge vondannen. Im erstbesten Restaurant erfuhren wir, dass Pizza nur in Tk-Form im Supermarkt zu bekommen sei. Eben jenes Restaurant sah wirklich nett aus und wir beschlossen dort zu speißen. Neben einer Auswahl an Tapas wurde außerdem das Menú del die, das Tagesmenü angeboten. Dieses ist in etwa mit einem Pilgermenü vergleichbar. Man wählt zwischen 2-4 Speisen pro Gang. Insgesamt gibt es 3 Gänge und der ganzen Spaß kostet 9€. Nach dem Essen ist man so satt, dass man am liebsten zur Herberge zurück kugeln möchte. Das Essen war ausgesprochen lecker und ersoff nicht in Fett, wie das meiste was man hier vorgesetzt bekommt. 

Morgen gehts nach O Cebreiro, eine der steilsten Etappen des Weges…

El Acebo ->Camponaraya

**21.04.16**

Das bereits angekündigte Frühstücksbuffet bestand aus 3 verschiedenen Sorten Müsli, sowie Schinken, Käse, Marmelade und Baguette. Wir waren selig und schlugen richtig zu. Danach waren die Bäuche voll und wir mach eine kleine Verdauungspause machen, bevor wir den steilen Abstieg nach Ponferrada begannen. Unterwegs trafen wir auf Arielle aus Amerika, die wir schon einige Tage kennen. Sie hat Kräuterkunde studiert und so lernten wir beim abwärts klettern jede Menge über Gänseblümchen, Löwenzahn & Co.

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Es regnete ausnahmsweise mal nicht und wir hofften, dass das auch so bleibt. Der Camino zeigte sich von seiner schöne Seite und wir durchquerten ein mittelalterlich anmutendes  Dörfchen nach dem nächsten. Auch hier überall „se vende“ (zu verkaufen)-Schilder. Ein bisschen Schade ist es schon, dass all diese schönen Dörfer nach und nach aussterben. Jedoch kann ich es irgendwo auch verstehen, denn hier abseits von jeglicher moderner Zivilisation möchte ich auch nicht wohnen.

Der Weg führte steil bergab und die Knie beschwerten sich. Doch da müssen sie durch. Die Landschaft hatte sich innerhalb der letzten Tage so stark verändert, dass wir glaubten hunderte Kilometer gelaufen zu sein. Blumen säumten den Wegesrand und überall wuchsen Bäume und Büsche in allen Variationen. Auch die Temperaturen waren fühlbar wärmer und die Lauferei machte wirklich außerordentliwu h Spaß.

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Ab und zu ist die Wegführung sehr exotisch. Man hat das Gefühl durch einen Fluß statt über Waldwege zu laufen. In Deutschland wäre sowas nicht als offizieller Weg ausgezeichnet, aber die Spanier sehen das etwas lockerer.

In Ponferada aßen wir zu Mittag. Unsere Mittagspausen sind immer eine Attraktion für die Bewohner. Diese sind regelrecht fasziniert, wenn wir uns auf eine Bank setzten, Brot und Chorizo auspacken und etwa eine halbe Stunde lang keinen Zeh rühren. Oftmals bleibt der ein oder andere stehen und erzählt uns eine Geschichte, die wir leider nicht verstehen. Unsere Spanischkenntnisse beschränken sich immernoch auf ein Minimum aber wir kommen doch sehr gut durch.

Die Sonne strahlte auf uns herab, während wir weiterstapften. Wir packten die Gelegenheit beim Schopfe und legten eine Eispause ein.

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Während wir aßen betrat Günther die Bar. Zusammen liefen wir noch etwa 7 km weiter (insgesamt 27) bevor wir uns in einer Herberge einquatierten. Die Wirtin dachte wohl er sei unser Vater/Onkel oder ähnliches, denn wir bekamen zu 4 ein 6-Bettzimmer.

Eine Küche gab es nicht und auf Pilgermenü hatten wir keine Lust, aber „Not“ macht erfinderisch. Im Supermarkt um die Ecke besorgten wir uns Baguette, Käse, Tomaten und Limo. Die Sonne schien warm und wir beschlossen dies zu nutzen und draußen zu Essen. Eine Bank zu finden gestaltete sich als schwierig, denn es war wie immer: Wenn man etwas dringend braucht ist es nicht aufzutreiben. Schließlich fanden wir ein Bänkchen in der Sonne und genoßen essend die letzten Sonnenstrahlen bevor es kalt wurde und wir zur Herberge zurückliefen.